Die Geschichte des Hänseln's
Das älteste bekannte Hänselbuch der Stadt Sontra beginnt am 23. Dezember 1572.

Es beginnt mit den Worten: "Diß Buch hatt Eberhart Steiman zu Casßel bürger von Danius burtig disser redlichen Gesellschaft umb sein gutt zu erhaltten altteß herkommens dieser Stad Sontra gekaufft und geschenkt dem ehrlichen Bosch Band zu gutt geschen am 23 decembris Anno 1572

Christ Rorbach - Martin Zeulch".

Die ersten Eintragungen erfolgen 1578. Aus ihnen geht hervor, daß Sontra schon lange vor 1578 eine "hensell Stadt" gewesen ist.

In einer Eintragung aus 1583 heißt es: "Hermann Schaubenbach von Blankenhain ein alth man ist vor ezlichen Jaren gehenselt wurden, daruff Salz und Brot gessen ist".

Aus dieser Eintragung; vor etlichen Jahren; läßt sich also ableiten, daß Sontra schon vor der ersten Eintragung in diesem Hänselbuch eine Hänselstadt war.

Das Wort hänseln in diesem Zusammenhang bedeutet jemanden in eine Genossenschaft aufnehmen. Die Sontraer Kaufmannsgenossenschaft von 1572 trug den Namen "Boschband" auch "Bußband", "Bußbandgesellschaft", "Bußbander Zunft".

Die Mitglieder hießen "Bußbandsgenossen".

Dieser "Bußband" nach dem dreißigjährigen Krieg spöttisch auch "Buchsbaum" genannt, war die Gemeinschaft der kleinen Händler der Gewürzkrämer, Kleintuchhändler, Händler mit Seidenbändern, Töpfer.

Die Zugehörigkeit zur Gesellschaft ist erblich. In dem Hänselbuch findet man mehrmals die Bezeichnung "Bußbandkinder".

Daneben gab es in Sontra noch die "Hanse" der großen Krämer, die "gremergilde", der Sattler, Tuchmacher, Gewandschneider, Händler mit ganzen Tuchstücken angehörten.

Auch in dieser "gremergilde" wurde gehänselt, d.h. in beiden Fällen wurden Kaufleute gegen eine bestimmte Gebühr dazu berechtigt, ihre Waren auf den Sontraer Märkten zu verkaufen.

Bekannt ist aber aus dieser Zeit auch eine andere Art des Hänselns; und zwar das aller Junggesellen, die zum erstenmal in Sontra bei einer Hochzeit anwesend waren. Die Eintragungen über dieses sogenannte "Junggesellenhänseln" sind jedoch in einem anderen Hänselbuch aus dem Jahre 1648. Dieses Buch enthält nur Eintragungen von Hochzeitshänselungen der Junggesellen.

Läßt sich für das Hänseln als Berechtigung zum Handel auf den Sontraer Märkten noch ein Sinn finden, so liegt die Bedeutung des Junggesellenhänselns völlig im unklaren.

Sogenannte "Schenkungshochzeiten", bei denen dieses Hänseln vollzogen wurde, spielten in Sontra eine besondere Rolle.

Im Stadtbuch von 1544 heißt es bei der Festsetzung der städtischen Abgaben: "Ytem, welcher hie freyeth, er sei eines burgers Sohn, oder fremeth, und eine schenkhoichzeit bei uns machet, vnde vnder eynem Jar von uns züht, sall der stadt einen gülden geben, auch durch den Khemerer Ider ziett sall berechett werden".

Aus den Stadtrechnungen der Jahre 1617 ff geht hervor, das Bürgermeister und Rat etliche Maß Wein zu einer Hochzeit eines Bürgerkindes stifteten.

Zudem stellte die Stadt die Hochzeitsstube und die Küche des Rathauses kostenlos zur Verfügung, lieferte das Küchengerät und erteilte den Eltern, die die Hochzeit ausrichteten, ein zusätzliches Braulos für ein ganzes oder halbes Gebräu Bier.

Es bestanden für die Art des Feierns bestimmte Regeln, die wohl nicht immer eingehalten wurden. In den Stadtprotokollen von 1678 und 1767 wurde deutlich daran erinnert.

Ein hierin enthaltener Hinweis auf die fürstliche Landesordnung war wohl vor allem für die an den Bürgerhochzeiten teilnehmenden und auch dort gehänselten Adeligen gedacht.

Es wäre durchaus denkbar, daß die erste Teilnahme an einer solch streng geregelten Feier mit einer Teilnehmergebühr von einer bzw. zwei Maß Wein belegt wurde und daß daraus analog zum Markthänseln das Junggesellenhänseln hervorgegangen ist.
Wir wissen hier wenigstens, wie es sich abgespielt hat. Der zu Hänselnde erschien mit ein oder zwei Zeugen, stiftete eine Maß Wein, wenn er aus Sontra, zwei Maß, wenn er von außerhalb kam und erhielt dafür ein Band zum Zeichen der Hänselung. Auch der Bräutigam wurde gehänselt, wenn er nicht schon vorher auf einer Hochzeit in Sontra war.

Diese Art des Hänseln berechtigte nicht zum Verkauf von Waren auf den Sontraer Märkten.

Das Hänselbuch von 1578 - 1693, ein Markthänselbuch, und das von 1648 - 1747, das Hochzeits- oder Knechtebuch, liefen 45 Jahre lang parallel.

In dieser Zeit sind 60 Sontraner Händlern auf dem Markt gehänselt worden und 10 von diesen 60 auch auf Hochzeiten. Die zeitliche Reihenfolge war verschieden, d.h. 3 Personen sind zuerst für den Markt und 7 Personen zuerst auf einer Hochzeit gehänselt worden.

Die Stadt Sontra besitzt noch ein drittes Hänselbuch von 1747 - 1847. Es beginnt mit einer Abschrift der Anfangsseiten des Hänselbuches von 1648 und wird mit Hochzeitshänselungen bis zum 20. Juni 1783 geführt.

Vom 19. November 1783 an folgen nur noch Eintragungen von Märkten.

Es sind also vermutlich ein Markthänselbuch von 1693 bis 1783 und ein Hochzeitsbuch aus der Zeit vor 1648 verloren gegangen.
Im Gegensatz zum Junggesellenhänseln wissen wir über die näheren Umstände des Markthänselns sehr wenig. Sicher ist, daß es von einem oder zwei Hänselmeistern und deren Knechten ausgeübt wurde, und daß der Gehänselte zwei Paten hatte.

Der Hänselmeister wurde vom Bürgermeister oder von der Zunft gewählt, er mußte nicht in Sontra wohnen, ja er mußte nicht einmal selbst gehänselt sein.

Der Hänselmeister wählte sich seinen Knecht. Das Hänseln mußte in Sontra stattfinden, ein auswärtiger Hänselmeister durfte nicht etwa in seiner Heimatstadt die Gebühren einziehen und sie dann nach Sontra bringen.

In dem "Boßband" wurde auf dem Markt gehänselt, in der Gilde der "Hansekrämer" auf dem Rathaus. Man findet dazu in den Stadtrechnungen 1617 ff. die Rubriken: "Stettegeld uffm Markt" und "Stettegeld uffm Sall" Wollte ein Kleinkrämer zusätzlich große Waren verkaufen, mußte er nochmals dafür gehänselt werden. Es schien überhaupt so zu sein, daß der "Bußband" die ursprüngliche Genossenschaft war. Die Hänselung der "großen" Krämer erfolgte zusätzlich.

Die Eintragung "in den Bußband gehänselt" war verhältnismäßig selten, so daß wohl nicht jeder Gehänselte in den Bußband aufgenommen wurde, sondern die meisten nur ein Verkaufsrecht erhielten, ohne Mitglieder zu werden. Es wurden auch Frauen aufgenommen, doch findet sich kein Eintrag, daß ein Jude Angehöriger des "Bußbandes" war.

Als Händler auf den Märkten waren die Juden allerdings zugelassen und wurden auch gehänselt.

Grundsätzlich handelte es sich also beim Vorgang des Hänselns um die Zulassung zu den Märkten, durch Zahlen einer Gebühr. Im alten Hänselbuch findet man nur die Gebühr für die "Hansekrämer", nämlich einen Taler oder einen Goldgulden, ab 1783 wurden einheitlich für alle 17 Alben verlangt.

Daß über die mehr oder minder feierliche Aufnahme und das Bezahlen hinaus gelegentlich rauhere Sitten herrschten, geht aus zwei Eintragungen hervor.

Sonst wurde nur noch Salz und Brot gegessen, als Bestätigung einer Jahre vorher erfolgten Hänselung. 1775 wurde das Hänseln, "die Hanse ein Mißbrauch im Oberfürstentume" verboten.

Daher enden die Hochzeitseintragungen im jüngsten Hänselbuch im Jahre 1783.

Von da an heißt es bis 1800 meist "ist gewöhnlichermaßen gehänselt worden", "hat die gewöhnliche Hänselgebühr bezahlt". Später findet man immer häufiger die Bezeichnung "Ständegeld", dazwischen vereinzelt, zum letzten mal 1834 "hat Hentzelgeld bezahlt".

Die Eintragungen im Hänselbuch enden am 31. März 1847. Da in diesem Buch noch 12 leere Blätter übrig sind, kann man davon ausgehen, daß das Hänseln zu diesem Zeitpunkt eingestellt wurde.

Am 26. Juni 1975 wurde die Hanse - Gilde Sontra neu gegründet und das Hänseln zu besonderen Anlässen, wieder eingeführt.

Die Geschichte der Hansegilde Sontra
Sontra ist eine alte, freie Berg- und Hänselstadt. Solches besagen die Annalen. Das "Hänseln", einen Brauch, der jahrhundertelang in Sontra ausgeübt wurde, führt man zurück auf einst verliehene Gnadenerweise, Freiheiten und Privilegien sowie die Zugehörigkeit zum Städteverein der freien Hanse, dem auch die heute allseits bekannten Hansestädte Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock usw. angehörten. Dieser Städteverein gilt als Zusammenschluß einer Anzahl von Landstätten, die im nördlichen Teil Deutschlands im 14. Und 15. Jahrhundert ihre glänzendste Periode hatten.

Die noch erhaltenen "Henselbücher" legen Zeugnis vom "Hänseln" in Sontra ab. Wenn auch die älteren Bücher verlorengingen, so verfügt die Stadt doch spätestens ab dem 23. Dezember 1572 über wieder angelegte Hänselbücher, die bis 1847 reichen. Die Literatur weist das Hänseln bis in das Jahr 1250 nach. In Sontra sprach man dazu von einem "altherkommen", "von alters her", von "uraltem" Brauchtum.

Dieses und anderes mehr ist es, was "Bürgermeister und Rath" wie es früher hieß, im Jahre 1975 veranlaßten, der alten Zeiten zu gedenken und das "Hänseln" durch die HANSE - GILDE wieder zu begründen.

Damit wurde ein weiterer Grundstein im Bekenntnis zu unserer Heimat, dem Sontraer Land im Grenzraum zwischen Thüringen und Hessen, zwischen Fulda, Meißner und Werra, gelegt. Dies geschah ohne Unterschied, ob es sich dabei um die ur-angestammte Heimat der seit Jahrhunderten hier ansässigen Familien oder um eine zweite Heimat derjenigen handelt, die aus anderen Landen kamen.

Heimatfreunde, verantwortungsbewußte Mitbürger, ehrliche Partner und verdiente Freunde aus nah und fern und aus internationalem Bereich, wie etwa der Partnerstadt Vimoutiers, sind der SONTRAER HANSE-GILDE willkommen.

Wie man die alte Hanse-Vereinigung früher auch genannt haben mag, ob Hänsel-Gilde, Hanseorden, Halsbandorden, Baßband, Boschband, Burschenschaft, Buschband, Hansebrüderschaft des Bußbandes, Börse oder wie immer sonst: die HANSE - GILDE SONTRA gilt und steht für jede Art des "Hänselns" von Sontra, dessen Einzelheiten das einschlägige Schrifttum erklärt.

Die Gründungs - Urkunde der HANSE -GILDE SONTRA datiert vom 26. Juni 1975. Sie bekennt sich zur Geschichte des Sontraer Landes, zur Mehrung seines Ansehens, zu einem weltoffenen, guten Verhältnis zwischen Tradition und Fortschritt.

Sie nennt die HANSE-GILDE eine historische Vereinigung, die der Vorfahren gedenkt, aber auch der freundschaftlich und nachbarschaftlichen Begegnung im In- und Ausland ebenso wie jeder Art von Heimatbezogenheit dient. Die HANSE - GILDE SONTRA tritt für Freiheit und Frieden , für ein menschen-würdiges Dasein und Miteinander aller Menschen guten Willens, für Gemeinsamkeit in allen Bereichen sowie für gute internationale Beziehungen ein.

Dazu zählt die Gilde zum Beispiel die aktive Vertretung der Ziele der bruderschaftlichen Vereinigung der französischen Partnerstadt Vimoutiers, die CONFRERIE DES CHEVALIERS DU TROU NORMAND

Herausgehobene typisch heimische, traditionelle Gepflogenheiten, orts- oder landschaftsbezogene gute Sitten und Gebräuche sind der HANSE-GILDE gleichfalls ein Anliegen. Speziell führt sie ab 1976 das "Hänseln" in der alten freien Berg- und Hänselstadt Sontra wieder ein.

Die Farben der HANSE - GILDE sind die gleichen wie die der Stadt, nämlich rot-weiß-rot; sie werden kupferfarben ergänzt, um an einen fast 1000 Jahre alten Schwerpunkt der Erwerbstätigkeit im Sontraer Land, den -inzwischen stillgelegten- Kupferschieferbergbau, zu erinnern.

Das Emblem der Gilde zeigt die Rose des alten Stadtsiegels, ein stilisiertes Hänselbuch mit mittelalterlichem Schreibzeug, außerdem die gekreuzten Senats- und Schulzenstäbe mit der Waage der Gerechtigkeit als Symbol der korrekten Aufnahme in die Bruderschaft des Handels, der Deutschen Hanse, der Sontraer Märkte und der "ehrsamen" kaufmannsgetreuen Handhabung der altherkömmlichen Gebräuche.

Das oberste Organ der Gilde ist ein Konvent. Mitglied des Konvents kann nur sein, wer ehrenhalber (honoris causa) in die HANSE - GILDE aufgenommen wurde. Das Präsidium obliegt dem Vorsitzenden des Vorstands.

Der Vorstand führt die Bezeichnung Senat. Er besteht zunächst aus dem Vorsitzenden (1. Senator), sowie 2 Stellvertretern (2. Und 3. Senator), dem Schriftführer (Ratsschreiber) sowie dem Kämmerer (Schatzmeister) und kann um Beisitzer ergänzt werden.

Der Vorsitzende - im Verhinderungsfalle einer seiner Stellvertreter - vertritt die HANSE - GILDE nach innen und außen.

Der Senat wird erstmals vom Magistrat der Stadt Sontra gebildet, später durch den Konvent gewählt. Der Hanse - Rat besteht aus dem Vorstand und weiteren Mitgliedern, die der Senat oder der Konvent auf die Dauer von 5 Jahren wählt; dazu zählen die Stadtältesten und zwei Hänselmeister, Weinschenk, Herolde und Landsknechte

Vorsitzender der HANSE - GILDE ist der jeweilige Bürgermeister der Stadt Sontra, sofern dieser nicht widerspricht oder der Konvent nichts anderes bestimmt.

Dem Vorstand obliegt die Berufung der Gilden - Mitglieder, die Entscheidung über Aufnahmeanträge sowie über das Hänseln überhaupt und die Verleihung der Ehrenbezeichnungen.

Für die Wahlen und Beschlüsse der HANSE - GILDE und ihrer Organe gelten demokratische Grundsätze.

Für das Hänseln der HANSE - GILDE SONTRA wird man sich am in 1976 wiedererstehenden Markt- und Hänselbrunnen versammeln, Absprache und Absichtserklärungen des Senats hören, die Hanseverpflichtung (Gelöbnis der zu Hänselnden, dem ehrlichen Boschband die treue zu halten) durch die Hänselmeister abnehmen und zwar
a) beim einfachen Hänseln mit Salz und Hänselbrot und einem Trunk,
b) bei der Aufnahme in die Hanse-Gilde "ehrenhalber" ebenfalls mit Salz und Hänselbrot, einem Trunk

Alsdann begibt man sich zum Sitzungssaal im Rathaus, um die Zahlung des Hänselgeldes, die Eintragung in das Hänselbuch mit zwei Zeugen und Überreichung eines Beleges über die erfolgte Hänselung bzw. Überreichung einer Urkunde über die Aufnahme in die HANSE - GILDE nebst Verleihung des Hänselordens (Band) vorzunehmen.

Ein kleiner Umtrunk wird sich anschließen. Der Zeitpunkt der Zeremonie wird in der Regel wohl im Rahmen des Heimatfestes liegen.

Der Tag der Neugründung der HANSE - GILDE SONTRA, der 26. Juni 1975, Vorabend des traditionellen Heimat- und Schützenfestes, im historischen Sitzungssaal des in 1668; nachdem große Teile der Stadt durch die Kroaten angezündet und dadurch vernichtet worden waren; wiederaufgebauten alten Rathauses ist ein denkwürdiger Tag in der Stadtgeschichte geworden


Bankverbindung:
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BLZ 532 612 02
Kto-Nr.: 199800
Ust-ID-Nr.: 026 227 13336
1. Vorsitzender: Martin Jordan
Göttinger Str. 47 - 36205 Sontra
Telefon: (0 56 53) 9 17 26 55

Organisationsbüro: Martin Jordan
Göttinger Str. 47 - 36205 Sontra
Telefon: (0 56 53) 9 17 26 55 - Fax: (0 56 53) 91 74 11
e-mail: ash-markt@online.de
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